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Bis daß der Tod uns scheidet

Es gibt hier Ehepaare, die arbeiten in der selben Abteilung, sitzen sich gegenüber, essen gemeinsam in der Kantine und fahren zusammen nach Hause.

Ob sie wohl auch heimlich zusammen auf Toilette gehen?

A. Reiser

Heute Nachmittag fuhr ich gerade mit der Straßenbahn vom Klavierunterricht nach Hause, als ich an der Haltestelle ein Ensemblemitglied des Staatstheaters stehen sah. Zwar kenne ich seinen Namen nicht, aber ich hatte ihn vor einer Weile in einem Stück gesehen und mich unheimlich gut unterhalten gefühlt. Wie er da stand und etwas verloren ins Nichts sah, kramte ich einen Zettel aus meiner Tasche und schrieb darauf “Ich mochte Dich in A. Reiser!” Ich lehnte mich an dem mürrisch dreinblickenden jungen Mann zu meiner rechten vorbei, klopfte an die Scheibe und hielt den Zettel daran. Der Mensch vom Theater stutzte, trat näher, las den Zettel und grinste dann breit. Ich grinste zurück, die U-Bahn fuhr ab und ich ließ das Stück Papier in meine Manteltasche gleiten. Das ist die Art von Zwischenmenschlichkeiten, für die ich gerne Bahn fahre.

Aufgeschnappt

“Lieber SZ-Leser, laut Marktforschung sind Sie 48 Jahre alt, höhergebildet, haben rund 3000 Euro netto monatlich zur Verfügung und stehen mitten im Leben.”*

Stimmt genau. Bis auf Alter, Gehalt und dem mitten-im-Leben-stehen… Ach und Akademiker bin ich auch nicht. Wird Zeit mir eine andere Lektüre zu suchen.

*aus “Einer von uns”, Süddeutsche Magazin

Auf der Toilette meines Klavierlehrers

Wir könnten verschiedener nicht sein und deshalb hängen wir uns an den Lippen, wann immer wir uns aus unseren doch sehr unterschiedlichen Welten erzählen. In umständliche Gespräche verheddert, müssen wir uns dann mit einem nahezu ritualisierten “Na gut” wieder auf den Boden der Tatsachen – aktuell Satie – zurückbringen. Sein “Na gut” hat etwas weniger endgültiges als meines, aber ein verschmitzes Lächeln und eine hochgezogene Augenbraue später wenden wir uns dann doch einigermaßen ernsthaft den Tasten des Klaviers zu.

Die Toilette meines Klavierlehrers ist definitv erwähnenswert. Die Wände dieser winzigen Kammer, deren Dielen beim Betreten beschwichtigend knarren, sind gepflastert mit handschriftlichen Notizen und Zeichnungen. Sie beinhalten Gedanken, einige Theorien und Zitate mal mehr oder weniger bekannter Dichter und Denker. Auf einem stilisierten Selbstportrait steht “Ich denke, also…” und darunter eine Aufzählung eigenwilliger Ergänzungen. Sitzt man dann auf der Schüssel, blickt man frontal auf einen mahnmalartig an die Wand gepinnten Steuerbescheid, schummrig beleuchtet von der mit einem Leinentuch abgehängten Deckenlampe. Bislang hab ich meinen Aufenthalt auf der Toilette nicht über die Dauer zweier Höflichkeitspipis herausgebracht, um mir den Rest etwas genauer anzusehen, aber kommt Zeit…

Heute verfielen wir ob eines schlechten Wortwitzes über die Poincaré-Vermutung in albernes Kichern, als uns das schrille Klingeln der Türglocke unterbrach. Mein Klavierlehrer sprang auf und öffnete die Tür. Als er wieder hereinkam, folgte ihm sein nächster Schüler: Ein ernst dreinblickender, blasser Junge von vielleicht zwölf Jahren.

Mit einem Mal war jegliche Ausgelassenheit verflogen.

Schnellschreibtest

Wieder einer dieser hochwissenschaftlichen Selbstests zur Feststell… bla.

90 Wörter

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via Christoph

How-to

Mac

Mein Vater hat sich vorgestern einen Computer gekauft. Und damit er auch nicht vergisst, was wofür gut ist, hat er sich einen kleinen Merkzettel gemalt. Süß, nicht? :-)

Herr D.

Gestern sah ich einen meiner ehemaligen Klassenlehrer wieder. Er ging die Straße entlang, alt, ergraut, mit wenig Elan. Wäre ich nicht wohlwollend, sagte ich, er schlich. Er blickte zu mir herüber, aber in seinen Augen lag keine Erkenntnis, wie auch. Ich ähnele wohl kaum mehr dem Mädchen von damals. Und dann waren da im Laufe seines Lehrerlebens auch hunderte Mädchen wie ich.

Ich war 11. Und ich war in meinen Klassenlehrer verliebt. Ich sagte es niemanden, denn das wäre auf wenig Verständnis gestoßen. Herr D. war zwar eine Schönheit im Sinne von Jane Eyres Mr. Rochester aber auch streng, laut und despotisch. Er hatte ein kleines Porzellanglöckchen auf dem Lehrerpult stehen, mit dessen Hilfe er seine “allerletzte Warnung” bimmelnd kundtat. Danach setzte es einen Rausschmiss oder schlimmer: einen Eintrag – begleitet von atemlosen Wutausbrüchen. Im Werken-Unterricht machte er uns in der allerersten Stunde klar, daß wenn uns bei der Herstellung unserer Karteikästen eins der sehr dünnen Sägeblättchen kaputtgehen sollte, wir es nicht wagen dürften mit einer anderen Erklärung für dieses Malheuler zu ihm zu kommen, als dieser: “Herr D., ich habe mein Sägeblättchen zerbrochen”. Und hatte man seine Hausaufgaben vergessen, hatte man nach der letzten Stunde ein eher weniger angenehmes rendez-vous mit ihm: Gehirnwäsche und Tadel inklusive. Er war im Grunde ein Arsch. Und ich total verknallt.

Wenn ich so zurückdenke, waren die Höhepunkte der zwei gemeinsamen Schuljahre einmal Fasching, als ich Herrn D. schminken durfte und dann noch ein Ausflug, bei dem ich im Bus neben ihm saß. Mit dem Ende der sechsten Klasse hatte sich neben dem Klassenverband auch meine Schwärmerei in Luft aufgelöst.

Ein paar Jahre später fragte mich meine damals wie dann gute Freundin in einer in-der-Dämmerung-auf-dem-Sportplatz-auf-dem- Boden-liegen-und-sich-das-Herz-ausschütten-Situation: “Du warst doch damals total in Herrn D. verknallt, das ist doch voll der Psycho?!” Ich war etwas peinlich berührt, lachte dann nur und sagte “Ja, ich weiß, voll der Psycho”.

Wie ich ihn so die Straße entlanggehen sah, kam mir in den Sinn, daß er heute wohl keine Kleinmädchenherzen mehr höher schlagen lässt.

Die lieben Nachbarn

D., der einen Stock unter mir wohnt, bekommt häufig Post – von Amazon, diversen Weinhändlern, Reiseunternehmen, Feinkostläden usw. Ich weiß das, weil ich seine Päckchen in den meisten Fällen vor ihm in Händen halte. D. ist nämlich nie zuhause.

Heute war ich der riesigen (sauschweren) Weinkiste, die seit zwei Wochen in meinem Flur rumsteht, überdrüssig, weshalb ich einen Zettel schrieb, welchen ich D. an die Tür hängte:

Hallo D.,

seit zwei Wochen versuchen wir – bislang mit Erfolg – den Verlockungen der Weinkiste, die für Dich bei uns abgegeben wurde, zu widerstehen. Ich weiß allerdings nicht, wie lange das noch möglich sein wird…

Bitte hole die Kiste demnächst mal ab – sonst können wir leider für nichts mehr garantieren.

Prost!

Zuckerbäckerin

Als ich eben nach Hause kam, hatte ich eine Flasche Champagner vor der Tür stehen und dazu folgende Botschaft:

Zuckerbäckerin,

es tut mir schrecklich leid, daß ich euch so lange mit dieser Versuchung alleine gelassen habe…

Habe versucht bei euch zu klingeln, aber ihr wart leider nicht da. Wenn die Kiste nicht zu schwer ist, dann stellt sie doch vor meine Tür.

Hoffe der Champagner ist noch kalt…

Danke für alles!

Liebe Grüße,

D.

Meine “Mitbewohner” sind wirklich in Ordnung. Die von oben links haben uns schon selbstgemachtes Himbeersorbet runtergebracht, die gegenüber überließen uns im Sommer ihren Wohnungsschlüssel, damit wir während ihres Urlaubs auf ihrer Dachterasse Sonnenbaden können, M. von gegenüber hat mich ein paar mal zum Joggen an den See mitgenommen und Mamselle von unten rechts stand bereits mit Schoki vor der Tür. Von den Zuwendungen mal ganz abgesehen, sind meine Nachbarn auch sonst richtig gut drauf – wenn das nur überall so wäre!

Falsch verbunden

Eben rief ich bei der Deutschen Rentenversicherung Bund an. Nach fünf Minuten in der Warteschleife hatte ich keine Lust mehr und habe aufgelegt. Eine viertel Stunde später drückte ich die Wahlwiederholungstaste an meinem Telephon und bekam – oh Wunder – direkt einen Mitarbeiter dran. Dachte ich zumindest.

Er: Blablanuschelnuschel – was kann ich für Sie tun?
Ich: Ich wüßte gerne den Bearbeitungsstand meines Antrags Kennzeichen blablabla
Er: Hä, was für ein Antrag? Moment bitte!
- legt den Hörer beiseite, lautes Geraschel, Stimmen –
Er: So, jetzt. Was wollen Sie?
Ich: Ich wüßte gerne den Bearbeitungsstand me…
Er: Was für ein Ding??
Ich: Ich mache eine Reha und…
Er: Was für eine Reha bitte??
Ich: Na, eine medizinische Rehabilitation??
Er: Ähm, wen wollten Sie eigentlich sprechen?
Ich: Die Deutsche Rentenversicherung Bund?
Er: Sie sind beim Avanti Pizzaservice.
Ich: Oh.
Er: Ich glaube ich kann Ihnen nicht helfen.
Ich: Ich fürchte auch. Schönen Abend noch.
Er: Tschüs

Silvester-Frust

Nicht nur, daß immer irgendeiner der lieben Freunde enttäuscht ist, weil man sich nicht fünfteilen und jede Silvester-Einladung annehmen kann, nein, ausverkaufte Käsetheken, Dreck, Lärm und die kleinen Rotzlöffel, die jetzt schon mit Böllern werfen, gibt’s gratis dazu. Da bleibt einem doch nur, die ganze Bande hinter sich zu lassen und an Silvester mal einen auf Eremit zu machen.

In diesem Sinne:

So long, and thanks for all the fish!

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