Archive for Unterwegs
März 14, 2009 at 17:25 · Filed under Unterwegs
Mir dünkt, die Hostessen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Natürlich ist der Autosalon Genf keine dieser Messen, in denen sich die Mädchen in Tigermusterstringtangas und knapp sitzenden BHs quer über das Auto schmeissen (was nebenbei gesagt, die Sicht auf des Pudels Kern, also das Auto, auch nicht leichter macht) aber etwas mehr Appetitlichkeit hätte ich mir schon gewünscht. Stattdessen schienen dieses Jahr – vielleicht als Ausdruck der Betroffenheit über die weltweise Krise – mausgraue Kostüme mit wahlweise ebenfalls mausgrauen Pumps oder braunen (!) Stiefeln angesagt zu sein. So gesehen zumindest bei den Stuttgartern, den Münchnern, den Ingolstädtern… – I could go on. Auch war die Gesamtzahl der Hostessen überschaubar. Wo früher an jedem Auto ein oder zwei dieser Schönheiten nur darauf warteten, einem etwas schmackhaft zu machen, das man ohnehin nienicht wird bezahlen können, mußte man die allesamt gelangweilt dreinblickenden Damen regelrecht suchen – und dann, ganz wichtig, auf deutsch oder englisch ansprechen. Denn obwohl der Auto Salon in Genf stattfindet, beherrschten die Damen en gros die Landessprache nicht. Peinlich. Und so blieben natürlich auch die entrüsteten Franzosen von nebenan nicht aus, die sich wiederum mit jeder anderen Sprache als ihrer eigenen ziemlich schwertun (man möge mir das bisschen Polemik verzeihen).
Nichtsdestrotrotz war es schön. Lotus hatte sein neues Baby Evora dabei (irgendwas zwischen 911 und Europa und alles in allem eine Spur zu komfortabel) und natürlich den Exige – die sinnlichste Art, siebzig tausend Euro loszuwerden. Auffallend war, daß über alle Hersteller hinweg die Farbe weiß sehr dominant war, was dann wohl die Heerschaar an Jungs mit Poliertüchern erklärt. Teilweise mit schon leicht debilen Grinsen taten sie Auto um Auto ihr Werk, wischten, polierten, immer schön Zähne zeigend, die neugierigen und gierigen Tatscher der Besucher weg.
So machte die Menschenschau fast mehr Spaß als die Autoschau aber nach gut zwei Stunden war auch damit Schluß und wir verließen beladen mit den obligatorischen Giveaways das Messegelände. Bis nächstes Jahr!
Oktober 17, 2008 at 22:24 · Filed under Unterwegs
Ich komme mir ja selbst lächerlich vor, wenn ich eine Station lang in meiner Handtasche nach einer Fahrkarte krame, die ich gar nicht habe. Aber was erwarten von einem Sonntagsschwarzfahrer?
Manchmal wünschte ich, ich hätte mehr Schneid.
Oktober 30, 2007 at 08:53 · Filed under Unterwegs
Auf der Heimfahrt hatte ich ein wirklich besonderes Autobahnraststättenpipierlebnis.
Bevor man das ohnehin blitzblanke Dusch-WC (Henning hat dazu einen Blogeintrag verfasst
) benutzte, konnte man die Klobrille zuvor mit Desinfektionslösung abwischen. Dann, nach dem eigentlich “Akt”, wurde man im voreingestellten “Massagemodus” abgeduscht. Die Trocknung erfolgte dann per integriertem Fön oder alternativ in Handarbeit (räusper) mit dem Toilettenpapier.
Nun ja, ich will nicht unerwähnt lassen, daß man während des gesamten Aufenthalts mit Musik berieselt wurde, die ich sonst nur von “Entspannungsübungen nach Jacobsen” kenne und daß in meiner babyblaumosaikgefließten Kabine ein Passpartout mit Unterwassermotiven über der Toilette hing. Selbstverständlich war auch alles darauf ausgerichtet, daß man nichts anfassen mußte (wobei mir das, Dreckspatz der ich bin, nichts ausgemacht hätte). Türe, Spülung, Wasserhahn, Seife und Papierspender waren alle mit einem Sensor ausgestattet – nur meine Hose nicht, die mußte ich mir noch selbst hochziehen.
Oktober 20, 2007 at 18:32 · Filed under Unterwegs
I tried to think of the best way to tell her that her father was dead with the least amount of pain but you cannot camouflage death with words. Always at the end of the words someone is dead.
- R. Brautigan
Gestern nachmittag bin ich in die Schweiz gefahren, oder: habe mich fahren lassen. Wurde abgeholt, weil der Rücken noch nicht so mitmacht. In Embryostellung auf dem Rücksitz, halb dösend und mit der Sonne im Gesicht. Hunderttausend Lux und die Welt ist in Ordnung.
Mir kamen die Bücher in den Sinn, die ich eingesteckt hatte. Da wären zu einem “Das Kochbuch des Kannibalen” von Carlos Balmaceda und zum anderen “Nervöse Fische” von Heinrich Steinfest. Beides Krimis, die mir mein bibliophiler Freund U. geschenkt hatte. Jeder sollte einen Freund wie ihn haben.
Den Weg in meine Reisetasche fand außerdem, und darauf will ich hinaus, “You can’t catch death” von Ianthe Brautigan. Erinnerungen einer jungen Frau an ihren Vater, den Autor Richard Brautigan, der sich 1984 im Alter von 49 Jahren erschoß. Es ist eines der Bücher, die mich in Melancholie gefangen nehmen und – nachdem die letzte Seite umgeblättert und das letzte Wort gelesen ist – verwirrt und zugleich ernüchtert zurücklassen.
Richard Brautigan war ein wundervoller Autor und ich denke oft darüber nach, welche wundervollen Bücher er noch geschrieben hätte, hätte er sich nicht mit einem 44er Kaliber in den Kopf geschossen. Ich mag den schrägen Humor seiner Bücher, die skurrile Affinität zu Friedhöfen und seine unverbrauchte Liebe zu Japan.
Jeder sollte einen Brautigan unter dem Bett haben. Nur so für Notfälle.