inicio mail me! sindicaci;ón

Archive for Menschen

Nie wieder: Ladies Night

Eigentlich müßte es diesen Beitrag gar nicht geben. Denn eigentlich
hätte ich eine solche Veranstaltung nie besucht. Ich habe nämlich Prinzipien. Eigentlich.

Ich bin Cinekomplex-Gegner. Und als solcher besuche ich nur in seltenen Fällen ein solches Etablissement. Unlängst habe ich Kinokarten geschenkt bekommen, was in zweierlei Hinsicht traurig war. Erstens hatte ich für die Karten keine Verwendung (schließlich tauschte ich sie) und zweitens machte es deutlich, daß die Schenkenden mich nicht wirklich gut kennen. Ich gehe mit meiner Meinung zu Cinekomplexen zwar nicht hausieren, aber ich tu sie an geeigneter Stelle durchaus kund. Wie dem auch sei, ich bin nebenbei noch ein Rudeltier und als die Einladung zu einer Ladies Night* mit ein paar Freundinnen kam, ahnte ich kaum böses. Schlimmer als eine seichte Liebeskomödie mit überdurchschnittlich viel hochfrequentem Gekicher konnte es nicht werden. Auf das was mich dann erwartete, war ich allerdings nicht vorbereitet.

Mal so gesehen:
Nur Frauen – okay.
Geschnatter und Gegacker im hohen Dezibelbereich – okay.
Neumodisches Pansch-Getränk – annehmbar.
Aktuelle Ausgabe von „Gala“ – grenzwertig.
Parfum-Pröbchen – peinlich.
Kalorienreduzierte Schokoriegel – traurig.
Infostand einer Schönheitsklinik mit Silikonimplantaten zum probefühlen („Ratenfinanzierung möglich“) – no way!

Ich pflege zu Klischees normalerweise ein eher entspanntes Verhältnis aber an diesem Abend habe ich mich nur eins gefühlt: reduziert. Reduziert auf Klatsch, billigen Alkohol und Titten. Der Film tat sein übriges. Aber am schlimmsten: Den meisten schien es zu gefallen. Stutenbissig wurde um jede Gala („Nur solange er Vorrat reicht“) und um jedes Gratis-Pröbchen gekämpft. Als der Film zu Ende war, bildete sich am Ausgang ein riesiger Stau, der ein zügiges Verlassen des Gebäudes unmöglich machte, weil alle unbedingt noch ein Täschchen mit Wimperntusche, einem Lebkuchenherz und reichlich Werbung abgreifen wollten. Was zur Hölle war da bloß los?

Bei der Nachfrage, ob ich bei der nächsten Ladies Night wieder dabei wäre, konnte ich nur mit einem gequälten Lächeln abwinken - denn einen Hauch von Restwürde lasse selbst ich mir nicht nehmen.

*Die Ladies Night ist ein Kinoabend nur für Frauen. Gezeigt wird ein Film (zumeist eine romantische Komödie), dessen offizieller Start noch bevorsteht. Als Ergänzung des Frauenabends werden süffige Getränke, Klatschzeitschriften und Kosmetikproben verteilt. Firmen dürfen sich und ihre Produkte (vom Girokonto über den Fitnessstudio-Vertrag bis hin zu Silikonimplantaten) präsentieren.

Haltung, bitte.

Wenn er schlecht drauf ist, bekommen seine Bewegungen etwas hektisches. Er donnert dann im Stakkato durch den Korridor und verzieht dabei bemüht den Mund zu einem Lächeln. Er ist einer dieser Chefs, die sich am Allerwertesten kratzen, ungeniert der Tatsache, daß man daneben steht. Und einer dieser Chefs, deren tiefes, schallendes Gelächter schon von weitem zu hören ist. Einer der Chefs, die sich wundern, weshalb sie ihre Mitarbeiter nie bei etwas Verbotenem ertappen, egal wie vermeintlich leise sie um die Ecke geschlichen kommen. Bodenständig. Etwas grob vielleicht. Einer dem das Manieren-Korsett nicht ganz so gut zu Gesicht steht, wie er es gerne hätte. Einer mit breiten Schultern, der gerne zulangt, aber zu eitel ist, den Bauch wachsen zu lassen.

Viele mögen ihn nicht. Mögen nicht, wie er versucht kumpelhaft zu sein. Versucht sich interessiert zu zeigen. Frauen in kurzen Röcken hinterherguckt. Sich gedankenverloren in den Schritt greift. Beim heiteren Beruferaten kämen ohne Schlips und Anzug sicher “Schlachter” oder “Landwirt” weit vor “Abteilungsleiter in der Finanzbranche”. Manche fürchten ihn. Wenn er sauer ist, haut er auf den Tisch, tobt vor Zorn.

Er ist keiner zum gern haben aber er ist ehrlich. Und berechenbar. Kein diplomatischer, aber verschwiegener. Er lässt oft Feingefühl vermissen, aber er packt an, setzt sich ein, setzt sich durch.

Er is einer der Chefs, die einem wenn es hart auf hart kommt rotwangig und umständlich die Hand reichen, fest zudrücken und energisch “Schade, daß sie gehen!” sagen.

Dagegen ist mein neuer Chef regelrecht profillos.

Freunde

Eine meiner Freundinnen verhält sich zuweilen wie eine Katze. Immer wieder mal schleppt sie mir komische Dinge an, legt sie vor mich hin, sieht mich erwartungsvoll an. Keine toten Mäuse zwar, unlängst zumindest die Abbildung einer toten Maus (ich weiß, es klingt absurd aber man glaube mir, so etwas bescheuertes könnte ich mir nicht mal ausdenken).

Gestern kam sie dann mit folgendem Wisch, den sie offensichtlich aus einem Käseblättchen der übleren Sorte herausgerissen hatte, daher:

„Freundliche junge Dame für den Telefondienst einer exklusiven Begleitagentur gesucht (nur Entgegennahme von Anrufen / Tätigkeit von zuhause aus möglich). Englischkenntnisse, sympathische Stimme und gute Umgangsformen sind erwünscht. Kontaktaufnahme unter …..”

Ah – ja. Fragend sah ich sie an.

Sie: „Wäre doch was für Dich!“ – Ich, Verständnis heischend: „Aber ich habe doch einen Job. Du erinnerst Dich? So mit Wertpapieren und so?“ – „Ja, ja, schon klar aber das ist doch sicher eine spannende Ergänzung!“ – „Wieso machst Du es dann nicht selbst?“ – „Mein Englisch ist nicht so gut – aber ich könnte bei Dir mithören“. Pause. „Na ja“, ich räusperte mich: „Ich glaube, ich habe kein Interesse…“

„Du bist doch prüde!“

Sprach’s und ließ mich sitzen.

Deutsche Geschichten

Ich bestellte etwas in einem Versandhandel im Internet. Da die Ware falsch geliefert wurde, widerrief ich meine Bestellung. Und das lief dann so:

Ich:
“…hiermit widerrufe ich meine Bestellung. Bitte senden Sie mir einen Rücksendeaufkleber zu, damit ich Ihnen die Ware zurücksenden kann.”

Shop:
“leider haben wir keine Rücksendeaufkleber. Bitte senden Sie (…) per Hermes zurück, wir werden Ihnen die Versandkosten ersetzen.”

Nachdem ich daraufhin zwei Wochen weder eine Nachricht noch eine Gutschrift auf meiner Kreditkarte erhielt, fragte ich mal vorsichtig nach:

“… sollten Sie (…) wiedererhalten haben – wann kann ich mit einer Gutschrift (…) rechnen?

Daraufhin wurde mir einige Tage später der Warenwert überwiesen. Die Versandkosten nicht. Nun sind prinzipiell EUR 4,30 nicht die Welt. Aber eigenverschuldet falsch liefern, mir dann schreiben, man ersetze die Kosten und sich dann zwei Wochen nicht melden, ist ungut. Ich schrieb:

“Mir fehlt noch die Erstattung der Rücksendekosten durch Hermes. Sie sagten mir, Sie würden diese erstatten.”

Antwort:

“Sie nerven einfach nur ab. Wir bitten Sie, in Zukunft keine Käufe mehr bei uns zu tätigen.” und “es gibt Menschen, die man in seinem Leben einfach nicht braucht. (…)”

Hä?

Intermezzo

Ich stieg gerade in den Zug von Biel nach Zürich, als ich meinte, einen alten Freund zu erkennen. Ich sah ihn prüfend an. Er sah ihm ähnlich, aber Zeit und Ort verboten es. Ich setzte mich und widmete mich meinem Buch. Nach einer Weile bemerkte ich seinen Blick. Ich sah auf und wir uns an. Er verzog den Mund zu einem Grinsen. Er war es. Ich tastete sein Gesicht ab. Augen, Nase, Kinnpartie. So ähnlich und doch, Wangen, Stirn – ganz anders. Er war es nicht. Er griff zum Telephon, drückte darauf herum, legte es weg, nahm es wieder. Die Gestik, das war er. Ich sah zu ihm herüber, wir uns wieder an, aber seine Augen verrieten nichts. Er hielt ruhig den Blick, bis ich es Leid war und mich abwandte. Ab und zu schaute ich rüber – ich suchte nach Ähnlichkeiten, nach Unterschieden. Wie plausibel war es, daß er es war und wenn er es war, erkannte er mich? Er telephonierte – und was und wie er es sagte war mir unsympathisch und fremd und doch wollte ich mit ihm reden. Ihn fragen – bist Du es? Nach einer Weile schlug ich das Buch zu. Ich war am Ende angelangt und hatte eine einsame Träne im Augenwinkel. Gefühlsduselei. Ich sah zu meinem alten Freund herüber. Er war im Sitz tiefer gerutscht, hatte die Beine gekreuzt und die Augen geschlossen. Sein Telephon ruhte auf seinem Schoß. Ich tat es ihm gleich und schloß die Augen. Später, als ich wieder hinsah, reckte er sich, wie Katzen das tun.

Als wir in Zürich ausstiegen, standen wir uns einen kurzen Moment gegenüber. Er lächelte, ich lächelte. Und dann war er weg.

Waschen, schneiden, föhnen

Ich lege Wert darauf, den Friseur beim ersten Besuch gleich wissen zu lassen, daß ich weder für Wetterschön-Geplapper noch für Details zu meinem Privatleben zu haben bin. Diesen Job erledigen andere für mich. Ich beantworte Fragen höflich, aber knapp und schließe bei jeder sich bietenden Gelegenheit in einer ich-bin-nicht-ansprechbar-Manier die Augen. Vor vielen Jahren habe ich in dem SZ-Magazin jetzt von einem Typen um die fünfzig gelesen, der bereits jahrzehntelang kein Wort gesprochen hat. Um auch außerhalb seiner vier Wände nicht in Konversationszwang zu geraten, hat er sich einfach Kopfhörer aufgesetzt. In der Annahme er höre Musik, hat ihn dann auch niemand angesprochen. Fand ich prima, den Kerl. Zwar hatte er auch ein paar weniger amüsante Marotten, wie zum Beispiel, daß er sich tagein tagaus von gedünstetem Kraut ernährt hat aber hey, who’s perfect? Diese Ausgabe der jetzt habe ich sehr lange aufbewahrt – bis zum letzten Umzug. Eigentlich schade drum.

Aber zurück zum Friseur: Nachdem das Verhältnis zwischen mir und meinem Friseur A. in die Brüche gegangen war, habe ich mir ein neuen Figaro suchen müssen. Und so ließ ich mir heute von T. die Haare schneiden.

Ich verschwende nie viel Zeit auf Smalltalk. Friseurbesuch – Geiselbefreiung. Hallo T., ich bin Z. und ich möchte Pony und Spitzen geschnitten haben. Nein, keine Stufen und ne, “freche” Fransen bitte auch nicht. Ich bin auch so frech, das soll man mir nicht noch ansehen. T. hat meine Bedürfnisse erkannt – ich wollte waschen, schneiden, föhnen mit minimalster Kommunikation und das habe ich bekommen. Trotzdem war ich hinterher etwas unzufrieden.

Na ja, prinzipiell ist es gar nicht so übel, wenn ich unmittelbar nach dem Friseurbesuch unzufrieden bin. Das liegt nämlich zu 99% daran, daß Friseure eine andere Auffassung von “glatt” haben als ich. Während glatt bei mir im volksüblichen Gebrauch glatt meint, denken Friseure an “fatzeglatt” beziehungsweise an “untragbar glatt”. Ich sage also “Ich will sie glatt.” und der Friseur versteht “Ich will aussehen als hätte ich Schnittlauch auf dem Kopf.” Da fatzeglatte Haare nichts sind, was sich nicht beseitigen lässt, bin ich mit einem unzufriedenstellenden Friseurbesuch letzten Endes also doch zufrieden. Ich muß mir nur die Haare waschen und selbst glätten – oder in den Regen kommen.

Good Charlotte

Als mich meine Quartalsfreundin anrief, sie habe uns – mein Einverständnis vorausgesetzt – Karten für eine Lesung mit Charlotte Roche besorgt, wollte ich mich einfach mal überraschen lassen. Ich wußte, daß die Frau eine Sendung namens Fast Forward moderiert und sich in Protest übend eine Zeitlang die Achselhöhlen nicht rasiert hatte – und natürlich wußte ich, daß sie unlängst ein Schweinkram-Buch mit dem Titel “Feuchtgebiete” geschrieben hat.

Über das Buch wurde ja schon viel gesagt – es ist vor allem pfui und bäh, ansonsten ein bisschen zu gewollt krude und deshalb nicht weiter der Rede wert. Aber Charlotte, die ist ein lecker Mädschn. Sie klimpert einen aus großen dunklen Augen an, geht wie die Unschuld und wirkt auch dann noch zuckersüß, wenn sie Dinge sagt, für die man ihr den Mund mit Seife auswaschen sollte. So bekommt man als Frau mehr als einen Grund geliefert, seine sexuelle Orientierung noch mal zu überdenken.

Nach der insgesamt sehr amüsanten Lesung taperte ich schon Richtung Ausgang, als meine Freundin (deren sexuelle Orientierung im übrigen von vorneherein zu Charlottes Gunsten ausfiel), mich zum Signier-Tisch zerrte und mir abnötigte für ein meet & greet mit good Charlotte anzustehen. 

Damit endete der Abend im Fan-Vollprogramm: Widmung, Signatur und Photo mit der Grinsekatze.

Schön war’s.

Ein guter Euro

Manchmal lohnt es sich, das Rad wegen exzessiven Regengußes stehenzulassen, zur U-Bahn zu hechten und einen Euro für eine Kurzstrecke zu opfern. Denn manchmal bekommt man zwei Haltestellen lang etwas geboten. Wie neulich. Ein Tyler-Durden-Klon oder zumindest ein blonder Typ, der zuviel Fight Club gesehen hatte, tauchte plötzlich vor mir als Reflektion in der Scheibe auf. Mit Pelzmantel über muscleshirt und tiefschwarzer Sonnebrille (an einem düsteren Dienstagmorgen) bestückt, stand er eine Spur zu breitbeinig in der Mitte des Waggons.

Seine Coolness war omnipräsent.

Ein Anzugträger glotze Tylers Pelzmantel an, als ob dieser jede Sekunde wieder zum Tier werden könnte, während zwei Frauen in seine Richtung blickend zu tuscheln anfingen. Mr. Durden konnte das nichts anhaben – er starrte professionell ins Nichts seiner dunklen Gläser. Am Hauptbahnhof dann stieg er aus der Bahn und verschwand im wochentäglichen Menschengedrängel.

Ich frage mich, wie das die Leute machen, die tagtäglich innerstädtisch mit den Öffentlichen unterwegs sind – erliegen die angesichts der Freakdichte nicht irgendwann einer Reizüberflutung…?

Einmal den Pony, bitte

Die Dinge sind nicht mehr so, wie sie einmal waren. Nachdem ich ein Jahr lang in anderen Salons fremdgegangen war, fand ich meinen Friseur A. in deprimierender Kondition wieder. Sein ehemals ranker Oberkörper steckte wie eine Presswurst in dem engen schwarzen Oberteil, um seine Augen zogen sich tiefe Furchen, die Stirn glänzig, der Händedruck klamm – einzig die Frisur saß. Tonlos fragte er mich, wo ich das letzte Jahr denn gewesen sei. Ich gestand neben ihm noch andere gehabt zu haben, wodurch sich die Situation nicht gerade entspannte. Schweigend schnitt er an meiner Mähne herum, nachdem das mit dramatischer Schönheit gesegnete Lehrlingsbübchen mir die Haare gewaschen hatte. Den glanzlosen Blick meines Friseurs im Spiegel, haderte ich ein bisschen mit meinem, seinem und des Lehrlings Schicksal, bis ich mich damit arrangierte, daß unser Geschäftsverhältnis irreversibel zu Schaden gekommen war. Ich bezahlte, gab ein beschwichtigend hohes Trinkgeld und verließ eilig den Salon.

Sonntagnachmittagsplausch

Ich: Was hast du denn für einen neuen Pyjama?

Er: Kurzarm&-bein

Ich: Farbe?

Er: Oberteil is #40afe1 und Unterteil ist #00405e

Freak.

Next entries »