Wiederentdeckt: Abgeschleppt
Müde, hundemüde war ich, als ich den abendlichen Heimweg antrat. Abgeschlagen vom Tag, angeschlagen von einer Erkältung machte ich mich auf den frostig-verregneten Heimweg. Gwen jaulte mir gerade “ohhhh whhyyy” aus den Boxen entgegen, als ich ein seltsames Geräusch hörte. Ich schaltete das Radio ab und hörte noch mal hin: “Blubbblubb” machte mein Auto. Ich trat aufs Gaspedal, aber nichts passierte. Der Motor war aus – und ich auf der Bundesstraße. Ich rollte in den Tunnel hinein und auf der anderen Seite gerade mal 50 Meter wieder heraus. Es ging bergauf und ich hatte keinen Schwung mehr. Ich fuhr rechts ran. Scheisse.
Ich wählte die Nummer meines Mechanikers. Er nahm nicht ab. Ich wählte sie wieder. Wieder, wieder, wieder. Dann wählte ich die Nummer eines Freundes. Moralischen Beistand holen. Mädchen eben. Er sicherte mir zu, mir die Nummer vom ADAC oder eines Abschleppdienstes per SMS zu senden.
Prima. Ich beschloss auszusteigen und mich an den Fahrbahnrand zu stellen. Schwer einsehbare Kurve. Draufgehen wollte ich nicht unbedingt.
Es vergingen ein paar Minuten und ich kramte in meinem Kofferraum nach einem Warndreieck oder ähnlichem. Wer meinen Kofferraum kennt, weiß das es da nicht viel zu kramen gibt, also beschloss ich zu prüfen, ob vielleicht nur der Batteriepol abgerutscht war. Das schien zwar unlogisch, da Licht und Warnblinker funktionierten aber was habe ich schon mit Logik zu schaffen und irgendwas zu prüfen, auch wenn man nicht genau weiß, was, ist immer noch besser als rumzustehen. Vibrieren. Mein Mechaniker. “Ich stand unter der Dusche. Was ist los?” und dann “Komme gleich”. Gleichzeitig fuhr die Polizei heran. “Was ist hier los?” und “Sie müssen ein Warndreieck aufstellen und eine Sicherheitsweste anziehen”. Nach einer Pause “Sie wissen, daß sie verpflichtet sind, diese Weste stets bei sich zu führen.” Ich sah ihn stumm an, dann nickte ich zu meinem Auto rüber. “Kofferraum”, sagte ich langsam, wohlwissend, daß sich rein garnix in meinem Kofferraum befand, daß auch nur annährend wie ein Warndreieck oder eine Weste aussah. Ich sah ihm an, daß er wußte, daß ich log. Er schlug die Augen nieder und sagte “Wir fahren jetzt weiter. Ziehen sie die Weste an – oder setzen Sie sich ins Auto”. Nicken.
Die Zeit verging und der Regen wurde ungnädiger. Vier Autos hielten an und wollten sich meiner erbarmen. Die Menscheit ist hilfsbereiter als allgemeinhin angenommen und Herzlichkeit keine Schande. Dann kam mein Mechaniker. Mit Wollmütze und Jogginganzug mit Lotus-Emblem. Gammellook-deluxe. Vielleicht ist es nur das Benzin, Tankstandsanzeige kaputt, sowas, murmelte er und zog los, Benzin zu besorgen. Als Lieschen Müller noch immer nicht anspringen wollte, blieb doch nur der Transporter. Mittlerweile beide pudelnass schafften wir das Auto in den Hänger und fuhren zur Werkstatt. Weitere 10 Minuten später setzte er mich vor der Haustüre ab. Müssmermalschauen.