Archive for Juli, 2009
Juli 29, 2009 at 16:42 · Filed under Menschen
Eine meiner Freundinnen verhält sich zuweilen wie eine Katze. Immer wieder mal schleppt sie mir komische Dinge an, legt sie vor mich hin, sieht mich erwartungsvoll an. Keine toten Mäuse zwar, unlängst zumindest die Abbildung einer toten Maus (ich weiß, es klingt absurd aber man glaube mir, so etwas bescheuertes könnte ich mir nicht mal ausdenken).
Gestern kam sie dann mit folgendem Wisch, den sie offensichtlich aus einem Käseblättchen der übleren Sorte herausgerissen hatte, daher:
„Freundliche junge Dame für den Telefondienst einer exklusiven Begleitagentur gesucht (nur Entgegennahme von Anrufen / Tätigkeit von zuhause aus möglich). Englischkenntnisse, sympathische Stimme und gute Umgangsformen sind erwünscht. Kontaktaufnahme unter …..”
Ah – ja. Fragend sah ich sie an.
Sie: „Wäre doch was für Dich!“ – Ich, Verständnis heischend: „Aber ich habe doch einen Job. Du erinnerst Dich? So mit Wertpapieren und so?“ – „Ja, ja, schon klar aber das ist doch sicher eine spannende Ergänzung!“ – „Wieso machst Du es dann nicht selbst?“ – „Mein Englisch ist nicht so gut – aber ich könnte bei Dir mithören“. Pause. „Na ja“, ich räusperte mich: „Ich glaube, ich habe kein Interesse…“
„Du bist doch prüde!“
Sprach’s und ließ mich sitzen.
Juli 29, 2009 at 16:34 · Filed under Fundstücke
Da ich in der Vergangenheit extrem viele Spam-Kommentare in meiner Inbox hatte, habe ich die Mail-Benachrichtigungsfunktion für Kommentare abgeschaltet. Da ich zudem leider auch ein Schlampermädchen bin, habe ich meine vom Spam-Filter abgefangenen Kommentare nicht regelmässig kontrolliert und so sind einige Eurer Wortmeldungen nie veröffentlicht worden. Das tut mir Leid und wird natürlich korrigiert.
In Zukunft gibt es pro verschütt gegangenen Kommentar einen Keks. Fein?
Juli 18, 2009 at 09:36 · Filed under Befindlichkeiten
Ich bin ja so eine lässige, wenn es um Zahnarztbesuche geht. Habe ich mir bisher zumindest immer eingebildet. Wenn andere mir mit weit aufgerissenen Augen von ihrem letzten Zahnarzterlebnis berichteten, lächelte ich stets nur milde und entgegnete ein “Ach, so schlimm ist das doch alles nicht”. Ja, gut reden hatte ich. Ich war einer der schlechten Kunden beim Zahnarzt. Jahreinjahraus kam ich an, grüßte, zeigte Zähne, ließ hier und da den Krankenkassenzahnsteinmist machen und war dann auch schon wieder draußen. Das schlimmste was mir bisher beim Zahnarzt widerfuhr war eine Weisheitszahnentfernung die mit anschließender 3-wöchiger Kiefersperre einherging. Lässt sich ja aber alles handeln, n’est-ce pas? ”Topgesunde Zähne” und ein strahlendes Lächeln des Dentisten waren das mindeste, was ich hören und sehen wollte aber Hochmut kommt ja bekanntlich stets vor dem Fall. Als ich mir vor kurzem den Kiefer ausrenkte, ging ich mit der Erwartung zum Arzt, er würde mir eine Spritze oder ein sonstiges probates Mittel geben und alles würde gut. Aber es kam anders. Er entdeckte etwas. Und zwar nicht den ausgerenkten Kiefer (wobei er diesen glücklicherweise ebenfalls als behandlungswürdig einstufte), nein, er entdeckte etwas an einem meiner “topgesunden” Zähne. Rechts oben, mitte. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich von dem freundlichen Heute-komme-ich früh-in-den-Feierabend-Lächeln in ein besorgtes. Er klopfte, er schabte, er machte einen Vitalitätstest nach dem anderen, bis mir die minus zwanzig Grad Kalte Flüssigkeit im wahrsten Sinne des Wortes zum Hals raushing. Er stöhnte, verzog dann das Gesicht und sagte mit starkem Akzent: Sie haben wuuuunder-, wuuunderschöne Zähne. Es täte mir so leid, bohren zu müssen. Aber sie reagieren nicht gut, es klingt nicht gut und sie haben Schmerzen. Sie haben doch Schmerzen? Er schaute mich an. Ich mußte nicken, versuchte aber zu relativieren. Mit weit geöffneten Mund nicht ganz einfach. Also hob ich die Hand und deutete an: petit peu. Dazu gurgelte ich ein unverständliches: nurr bissschhn. Theatralisch rückte er von mir ab, als seien Hopfen und Malz verloren. Da saßen wir nun. Ich im grellen Verhörlicht der Lampe und er auf seinem wirbelsäulenfreundlichen Drehhocker. Wir starrten uns an. Öffnen sie noch mal den Mund, sagte er. Er wühlte abermals darin herum, bis ich mir einbildete, alles schmerze und murmelte dann etwas von einer Wurzelfüllung. Er ließ ab. Mittlerweile stand mir die Panik wohl ins Gesicht geschrieben. Eine Füllung?! In meinen Zähnen?! Ich verfluchte innerlich meinen Vater, der mir als Kind immer eingeredet hatte, ich hätte seine Zähne und der, über 60jährig nicht einen Makel an diesen zu verzeichnen hatte. Der Tag war gelaufen. Ich kam mir klein und schäbig vor, wie ich mich vor einer Wurzelfüllung fürchtete und mein Zahnarzt merkte dies. Er bat mich gleich am nächsten Tag wiederzukommen. Mit osteuropäischer Herzlichkeit ergriff er meine Hand, legte seine andere darüber und drückte sie fest, wie ich es tun würde, bekundete ich Beileid. Ich lächelte scheu, wünschte einen schönen Tag und ging zur Tür. Mit schlechten Zähnen im Gepäck und einer leisen Angst vor dem was da kommen sollte. “Ach, so schlimm ist das doch alles nicht” hörte ich mich murmeln ich als ich das Gebäude verließ.