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Hush, Puppy.

Ich beobachte gerne und oft Menschen. Und ich tue es unauffällig. Ich habe auch kein Problem damit, beobachtet zu werden – solange es nur dieses leise irgendwas-fällt-mir-an-dieser-Person-auf-und-ich-will-sie-eine-Weile-lang-ansehen-Beobachten ist. Anders sieht es aus, wenn man auf eine verhuschte Weise angestarrt wird. Ich fuhr mit der Bahn, setzte mich neben zwei Jungs, vielleicht 14, und lauschte nicht etwa ihrem Gespräch, sondern Tegan & Sara. Der lockige Blondschopf neben mir drehte sich zu mir um und sah mich an. Ungefähr zwei Sekunden zu lange, also schaute ich zurück. Er schaute weg. Okay, dann eben nicht. Nach kurzer Zeit schaute er wieder. Und wieder und wieder und wieder. Für 2 Stationen einfach zu oft. Ich war leicht genervt. Ich stieg aus und wie ich im Augenwinkel sah, wie er seinen Kopf nach mir drehte, blieb ich stehen und schaute ihn an. Er schaute zurück. Sein Gesichtsausdruck bekam etwas verlegenes. In Gedanken ging ich alle mir bekannten 14-jährigen Jungs durch. Die Liste war verdammt kurz. Kein Sohn irgendeiner Freundin, kein nur jünger aussehender Azubi, kein Nachbarskind, nix. Ich kannte ihn nicht. Ich zog eine Augenbraue hoch, drehte mich um und ging weiter. Als die Bahn losfuhr, konnte ich mir nicht verkneifen, mich noch mal umzudrehen. Sein Blick war weiter auf mich gerichtet. Er hob seine Hand zu einem Gruß – und dann war er weg.

Manchmal ist U-Bahn fahren unheimlich.

10 Kommentare »

  uknaus wrote @ Januar 15th, 2009 at 15:36

Schön geschrieben, macht Spaß zu lesen! Habe die ganze Zeit auf ein Happy End oder auf eine banale Auflösung gehofft.
Aber mal ehrlich: Sind blondgelockte-14jährige-siebeneinhalbmalzuoft-aus-dem-Augenwinkel-guckende-U-Bahn-Nebensitzer wirklich unheimlich?
Vielleicht ging er ja nach dem zweiten Augenkontakt gedanklich die selbe Liste durch wie Du?!?

  Karsten Ivan Sauer wrote @ Januar 15th, 2009 at 15:38

Ungelogen erst 2h her: Ein Mädel saß mir im Zug gegenüber, das einer Ex-Freundin sehr, sehr, also wirklich sehr ähnlich sah. Da musste ich irgendwie zwanghaft mehr als üblich rüber schauen. Wollte mich schon bei ihr entschuldigen beim Aussteigen, aber da war sie dann schon weg. Wahrscheinlich geflüchtet vor dem kurzhaarigen mit dem irren Blick. ;-)

Cheers,
Ivan

  Zuckerbaeckerin wrote @ Januar 15th, 2009 at 17:05

@uknaus Danke – und wenn es ihm genauso ging wie mir, hat er wohl auch gemeint mich zu erkennen – so würde dann auch das Winken Sinn machen.

@Karsten Tja, so macht man Leuten Angst! ;-) Aber ich hoffe natürlich nicht, daß der Bub hat mich mit seiner Ex verwechselt hat – wäre fast schon ein Fall für die Polizei.

  Matthias wrote @ Januar 15th, 2009 at 17:43

Vielleicht hast du ihm einfach gefallen. ;)

  Zellmi wrote @ Januar 15th, 2009 at 18:16

Ich war’s …

  EarlMobile wrote @ Januar 15th, 2009 at 19:09

Vielleicht war er auch einfach nur zögerlich, ob er dich fragen soll, was das für schöne Musik ist, die ihm da leise entgegen kommt?

  frozen wrote @ Januar 15th, 2009 at 23:04

14 jährigen Jungs entdecken doch eben erst ihre Triebe ;) Daher Matthias’ Meinung

  Christian wrote @ Januar 16th, 2009 at 11:47

Bevor’s das nächste Mal unheimlich wird, einfach was fragen wie “Na Kleiner, haste deine Mama verloren” ;-)

  Zuckerbaeckerin wrote @ Januar 16th, 2009 at 13:06

Die Erklärung mit der Musik gefällt mir am besten. Tegan & Sara werden ohnehin unterschätzt.

  EarlMobile wrote @ Januar 16th, 2009 at 20:47

Finde ich auch. Hast mich auf eine gute Idee gebracht, werde jetzt mal wieder ein wenig Musik von “The Con” lauschen…

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