Nun gut, ich gebe zu, daß der Titel die tatsächlichen Geschehnisse dramatisiert aber mal der Reihe nach…
Ich saß gerade im Restaurant bei Pfannengemüse und Traubensaftschorle, als es zu hageln begann. Der Wind trieb ein paar Hagelkörner zum Fenster herein, wo sie auf meiner Tasche schmolzen und in einem dünnen Rinnsal auf den Boden tropften. Mein Gegenüber blickte ein wenig besorgt nach oben, obwohl es dort nur die Decke zu sehen gab, murmelte etwas von “Unwetter” und widmete sich wieder seinem überdimensionierten Steak. Der Wind zog an, ich fröstelte und schloss das Fenster. Als wir beim Dessert angelangt waren, ging draußen gerade die Welt unter.
Ein wenig später schlenderte ich Richtung Schloßplatz, das Wetter hatte sich deutlich gebessert, als ich das Alte Schloß passierte. Auf Höhe der Mediasäule hörte ich ein seltsames Knirschen – CHRRRR. Ich blickte nach oben und sah, erst schemenhaft, dann ziemlich deutlich, ein Stück des Schloßgemäuers auf mich zufallen. Mit weit geöffnetem Mund und unkoordiniert umherbaumelnden Armen (der Mensch stammt eben doch vom Affen ab) ging ich einen Schritt beiseite und starrte auf das Stück Stadtgeschichte, das neben mir mit einem lauten Klatschen zu Boden ging. ”Wow” dachte ich und bückte mich nach dem Brocken. Den Blick zum Himmel dann, sah ich, daß dem alten Schloß nun ein kleines Stück des Mauerwerks fehlte. Ich hielt das Beinahe-Schädeltrauma fest in meinen Händen. Dann wickelte ich es in eine Papiertüte und nahm es mit nach Hause. Seitdem liegt es friedlich auf meiner Anrichte und staubt ein. Wie es sich für hundertjahraltes Gemäuer gehört.