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Waschen, schneiden, föhnen

Ich lege Wert darauf, den Friseur beim ersten Besuch gleich wissen zu lassen, daß ich weder für Wetterschön-Geplapper noch für Details zu meinem Privatleben zu haben bin. Diesen Job erledigen andere für mich. Ich beantworte Fragen höflich, aber knapp und schließe bei jeder sich bietenden Gelegenheit in einer ich-bin-nicht-ansprechbar-Manier die Augen. Vor vielen Jahren habe ich in dem SZ-Magazin jetzt von einem Typen um die fünfzig gelesen, der bereits jahrzehntelang kein Wort gesprochen hat. Um auch außerhalb seiner vier Wände nicht in Konversationszwang zu geraten, hat er sich einfach Kopfhörer aufgesetzt. In der Annahme er höre Musik, hat ihn dann auch niemand angesprochen. Fand ich prima, den Kerl. Zwar hatte er auch ein paar weniger amüsante Marotten, wie zum Beispiel, daß er sich tagein tagaus von gedünstetem Kraut ernährt hat aber hey, who’s perfect? Diese Ausgabe der jetzt habe ich sehr lange aufbewahrt – bis zum letzten Umzug. Eigentlich schade drum.

Aber zurück zum Friseur: Nachdem das Verhältnis zwischen mir und meinem Friseur A. in die Brüche gegangen war, habe ich mir ein neuen Figaro suchen müssen. Und so ließ ich mir heute von T. die Haare schneiden.

Ich verschwende nie viel Zeit auf Smalltalk. Friseurbesuch – Geiselbefreiung. Hallo T., ich bin Z. und ich möchte Pony und Spitzen geschnitten haben. Nein, keine Stufen und ne, “freche” Fransen bitte auch nicht. Ich bin auch so frech, das soll man mir nicht noch ansehen. T. hat meine Bedürfnisse erkannt – ich wollte waschen, schneiden, föhnen mit minimalster Kommunikation und das habe ich bekommen. Trotzdem war ich hinterher etwas unzufrieden.

Na ja, prinzipiell ist es gar nicht so übel, wenn ich unmittelbar nach dem Friseurbesuch unzufrieden bin. Das liegt nämlich zu 99% daran, daß Friseure eine andere Auffassung von “glatt” haben als ich. Während glatt bei mir im volksüblichen Gebrauch glatt meint, denken Friseure an “fatzeglatt” beziehungsweise an “untragbar glatt”. Ich sage also “Ich will sie glatt.” und der Friseur versteht “Ich will aussehen als hätte ich Schnittlauch auf dem Kopf.” Da fatzeglatte Haare nichts sind, was sich nicht beseitigen lässt, bin ich mit einem unzufriedenstellenden Friseurbesuch letzten Endes also doch zufrieden. Ich muß mir nur die Haare waschen und selbst glätten – oder in den Regen kommen.

11 Kommentare »

  Jenny wrote @ Juni 13th, 2008 at 17:24

Wuha, tatsächlich sehr, sehr glatt. So hätte ich sie immer gerne, bekomme es aber nicht hin.

Wer ist T.? Ich möchte da hin! ;-)

  David wrote @ Juni 13th, 2008 at 17:46

Na super; bei mir wars noch nie auch nur im Geringsten glatt. Geschweige denn fatzeglatt. Momentan allerdings lebe ich die Nonflatness geradezu euphorisch aus; mit Stufen und frechen Aufständen einzelner autonomer Locken.

  Jan Theofel wrote @ Juni 13th, 2008 at 22:00

Da bist du ja wieder. :-) Kann es sein, dass du noch ein Kochbuch von mir ausgeliehen hast?

  Zuckerbäckerin wrote @ Juni 17th, 2008 at 09:43

@Jenny: Ich glaube es liegt daran, daß sie wirklich so hauchdünne Strähnen und diese sehr heiß glätten.

@David: Wäre doch mal ein Photo wert, oder?

@Jan: Tausche Russland gegen die Schweiz ;-)

  Jan Theofel wrote @ Juni 17th, 2008 at 11:40

Dann müssen wir nur noch einen Termin für den Kochbuch-Geisel-Austausch finden. :-)

  David wrote @ Juni 17th, 2008 at 23:09

Es gibt durchaus schon ein Photo bei “Allez Hopp !”

  Zuckerbäckerin wrote @ Juni 18th, 2008 at 05:11

David: Ich glaube ich habe da gewaltig was verpasst… Du hast doch nicht… die langen Haare… *nach Luft ringe*

  David wrote @ Juni 18th, 2008 at 18:16

Wächst ja wieder wenn man möchte und macht fast so jung wie man sich fühlt.

  Matthias wrote @ Juni 19th, 2008 at 10:42

Ich war auch am 13. beim Friseur und war dieses Mal sogar schon das zweite Mal beim selben Schneidekünstler, wo kein Wert auf besondere Kundenfreundlichkeit und somit auch nicht auf Smalltalk gelegt wird. Nur der noch engagierte Azubi, der mir die Haare gekonnt und schwätzerisch wusch, kam mit seinen Wettergeschichten (er erzählte drei Mal während des Waschens vom Wetter) und mit seiner, durchaus hörenswerten, Flip-Flop Geschichte war äußerstkommunikativ, die Zeit war aber überschaubar.

“Ich verschwende nie viel Zeit auf Smalltalk”
Sehe ich auch so:
http://duesiblog.de/index.php?/archives/112-Das-14-Experiment.html

  forzen wrote @ Juni 24th, 2008 at 13:49

Fatzeglatt, hab ich ja noch nie gehört :)

Gespeichert…

  Ai Hua wrote @ Juni 24th, 2008 at 17:05

Wegen solcher Aufregereien gehe ich selten zum Friseur. Und habe deshalb auch eine Frisur, bei der man nichts falsch machen kann… fast jedenfalls.

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