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Archive for April, 2008

Stille Wasser sind tief

Als ich Flügge wurde, in Ausbildung ging und zuhause auszog, entzogen mir meine Eltern strafeshalber jede finanzielle Zuwendung. Mir wurde schnell klar, daß sich der Verzicht nicht nur auf Reisen ins ferne Ausland beschränken, sondern mich auch in meinen Grundbedürfnissen einschränken würde. Und so machte ich meine Mutter, die uns Kinder mit stillem Wasser (Orangensaft nur am Wochenende, ein kleines Glas zum Frühstück, Ostersonntag auch mal zwei, Cola, Fanta, süßer Sprudel nur im Traum oder beim Nachbarskind) großgezogen hat, dafür verantwortlich, daß ich eine ausgeprägte Affinität zu einem Wasser eines bestimmten Herstellers entwickelte.

Als ich feststellte, daß mein mageres Lehrlingssalär dieses nicht rechtfertige, suchte ich in nicht enden wollenden Wasserdegustationen einen würdiger Nachfolger für aber-bitte-nicht-mehr-als-19-Cent-die-Flasche – und wurde fündig, auch wenn mir diese Umstellung erst mal gar nicht schmeckte: Wasser ist einfach nicht gleich Wasser und 18 Jahre Prägung nicht so einfach auszumerzen.

Zeit verstrich und mein Lieblingswasser blieb Restaurant- und Elternbesuchen vorbehalten – ich bekam schon beinahe ein schlechtes Gewissen, es aus schierem Durst zu trinken. Was den andern der Rotwein, war mir mein Wasser.

Lang ist’s her und mittlerweile würde es mich auch nicht mehr in den Ruin treiben – aber irgendwie ist die Luft raus. Heute trinke ich allerorten Leitungswasser. Das muß man nicht die Treppen raufschleppen und ist immer schon vorgekühlt. Ich denke nur selten an den wirklichen feinen Geschmack (nach Calcium, Kalium und wie sie alle heißen, aber vor allem nach Kindheit) meines Lieblingswassers zurück – wie heute, wenn mir mein Kollege einen Gefallen tun will und mir eine Flasche Volvic aus der Caféteria mitbringt – das schmeckt nämlich einfach nur widerlich.

Ein guter Euro

Manchmal lohnt es sich, das Rad wegen exzessiven Regengußes stehenzulassen, zur U-Bahn zu hechten und einen Euro für eine Kurzstrecke zu opfern. Denn manchmal bekommt man zwei Haltestellen lang etwas geboten. Wie neulich. Ein Tyler-Durden-Klon oder zumindest ein blonder Typ, der zuviel Fight Club gesehen hatte, tauchte plötzlich vor mir als Reflektion in der Scheibe auf. Mit Pelzmantel über muscleshirt und tiefschwarzer Sonnebrille (an einem düsteren Dienstagmorgen) bestückt, stand er eine Spur zu breitbeinig in der Mitte des Waggons.

Seine Coolness war omnipräsent.

Ein Anzugträger glotze Tylers Pelzmantel an, als ob dieser jede Sekunde wieder zum Tier werden könnte, während zwei Frauen in seine Richtung blickend zu tuscheln anfingen. Mr. Durden konnte das nichts anhaben – er starrte professionell ins Nichts seiner dunklen Gläser. Am Hauptbahnhof dann stieg er aus der Bahn und verschwand im wochentäglichen Menschengedrängel.

Ich frage mich, wie das die Leute machen, die tagtäglich innerstädtisch mit den Öffentlichen unterwegs sind – erliegen die angesichts der Freakdichte nicht irgendwann einer Reizüberflutung…?

Wenn das Pech im Rudel kommt

In meinem Schweiz-Urlaub hat die Festplatte meines Macbooks mitsamt aller Daten das Zeitliche gesegnet – seitdem bin ich computerlos, denn bei Gravis braucht man bereits zweieinhalb Wochen für den Tausch einer ordinären HD…

Heute nun habe ich mein Auto in erbärmlichen Zustand vorgefunden: Das Dach (Stoff) komplett aufgeschlitzt, Front, Seite und Heck mit tiefen Kratzern durchzogen. Gut nur, daß ich vor 4 Monaten für viel Geld die Front habe komplett lackieren lassen… Die Versicherung wird den Schaden übernehmen. An mir kleben bleiben dennoch 500 Euro Selbstbehalt und eine Rückstufung, die die nächsten 3 Jahre insgesamt nochmal 1000 Euro ausmacht – na ja, den Schaden selbst bezahlen wäre natürlich viel schlimmer…

“Life’s a bitch…”

Einmal den Pony, bitte

Die Dinge sind nicht mehr so, wie sie einmal waren. Nachdem ich ein Jahr lang in anderen Salons fremdgegangen war, fand ich meinen Friseur A. in deprimierender Kondition wieder. Sein ehemals ranker Oberkörper steckte wie eine Presswurst in dem engen schwarzen Oberteil, um seine Augen zogen sich tiefe Furchen, die Stirn glänzig, der Händedruck klamm – einzig die Frisur saß. Tonlos fragte er mich, wo ich das letzte Jahr denn gewesen sei. Ich gestand neben ihm noch andere gehabt zu haben, wodurch sich die Situation nicht gerade entspannte. Schweigend schnitt er an meiner Mähne herum, nachdem das mit dramatischer Schönheit gesegnete Lehrlingsbübchen mir die Haare gewaschen hatte. Den glanzlosen Blick meines Friseurs im Spiegel, haderte ich ein bisschen mit meinem, seinem und des Lehrlings Schicksal, bis ich mich damit arrangierte, daß unser Geschäftsverhältnis irreversibel zu Schaden gekommen war. Ich bezahlte, gab ein beschwichtigend hohes Trinkgeld und verließ eilig den Salon.