Januar 8, 2008 at 21:53
· Filed under Menschen
D., der einen Stock unter mir wohnt, bekommt häufig Post – von Amazon, diversen Weinhändlern, Reiseunternehmen, Feinkostläden usw. Ich weiß das, weil ich seine Päckchen in den meisten Fällen vor ihm in Händen halte. D. ist nämlich nie zuhause.
Heute war ich der riesigen (sauschweren) Weinkiste, die seit zwei Wochen in meinem Flur rumsteht, überdrüssig, weshalb ich einen Zettel schrieb, welchen ich D. an die Tür hängte:
Hallo D.,
seit zwei Wochen versuchen wir – bislang mit Erfolg – den Verlockungen der Weinkiste, die für Dich bei uns abgegeben wurde, zu widerstehen. Ich weiß allerdings nicht, wie lange das noch möglich sein wird…
Bitte hole die Kiste demnächst mal ab – sonst können wir leider für nichts mehr garantieren.
Prost!
Zuckerbäckerin
Als ich eben nach Hause kam, hatte ich eine Flasche Champagner vor der Tür stehen und dazu folgende Botschaft:
Zuckerbäckerin,
es tut mir schrecklich leid, daß ich euch so lange mit dieser Versuchung alleine gelassen habe…
Habe versucht bei euch zu klingeln, aber ihr wart leider nicht da. Wenn die Kiste nicht zu schwer ist, dann stellt sie doch vor meine Tür.
Hoffe der Champagner ist noch kalt…
Danke für alles!
Liebe Grüße,
D.
Meine “Mitbewohner” sind wirklich in Ordnung. Die von oben links haben uns schon selbstgemachtes Himbeersorbet runtergebracht, die gegenüber überließen uns im Sommer ihren Wohnungsschlüssel, damit wir während ihres Urlaubs auf ihrer Dachterasse Sonnenbaden können, M. von gegenüber hat mich ein paar mal zum Joggen an den See mitgenommen und Mamselle von unten rechts stand bereits mit Schoki vor der Tür. Von den Zuwendungen mal ganz abgesehen, sind meine Nachbarn auch sonst richtig gut drauf – wenn das nur überall so wäre!
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Henning wrote @ Januar 8th, 2008 at 22:14
Hier ist das anders. Die meisten sind neutral, ein paar grüßen sehr freundlich, aber immerhin sind die Meckerer unter uns irgendwie verstummt.
David wrote @ Januar 9th, 2008 at 14:40
Bei uns sind auch alle sehr zuvorkommend.
Vielleicht liegt das aber daran, daß ich der Enkel vom Hausbesitzer bin?
Hier auch lauter nette Leute. Die schräg unter uns leihen gerne Küchenzeugs aus, bringen dafür beim Zurückbringen aber Probierportionen des Backwerks mit. Von nebenan hört man fast nichts; nebenan hat mir nur gestern das heiße Wasser weggeduscht. Das sind nämlich die einzigen, die häufig so früh aufstehen müssen wie ich.
Über uns wird häufig und ausdauernd Cello gespielt, was SIE sehr aufregt, weil in der Regel über ihren Gemächern geprobt wird. Ich finds schön. Noch eine Etage höher steht ein Klavier; das kommt allerdings nur selten zum Einsatz.
Dann wohnt hier noch ein absoluter Psycho, der seine Wohnung nur zweimal im Jahr verlässt, um dann jeweils einen enormen Alkoholvorrat herbeizuschaffen. Die Fenster sind mit Pappe verklebt.
Der liebste Nachbar ist mir der iranische Gastwirt im Erdgeschoss, bei dem ich gelegentlich etwas Rechtsberatung gegen eine Pizza eintausche.
Matthias wrote @ Januar 9th, 2008 at 17:54
Da ziehe ich sofort ein!
Dabei ist der Nachbar doch des Menschen schlimmster Feind…
frozen wrote @ Januar 10th, 2008 at 11:24
Hat keiner den überlangen Zollstock um an der Decke zu klopfen, wenns mal wieder laut wird?
Meine Nachbarn laufen gerne in der Wohnung umher ohne Schuhe. Wie der Homo erectus so funktioniert, schlägt er mit der Ferse als erstes auf, was auf wenig Verstand hindeutet. Seine Fussmatte vor der Tür “Kiste Bier abstellen und verpissen” bestätigt das. Ansonsten, habe ich meine Nachbar noch nie gesehen, ausser mein Vermierter. Der ist ein messy.
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