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Der Schmidt-Faktor

Ich gehe gerne und oft ins Theater, vornehmlich ins Staatstheater. Unter der Woche meist, ab und an auch am Wochenende. Sowohl als auch ist dort nie wahnsinnig viel los, wenn man nicht gerade an Premieretagen kommt. Die Stuttgarter sind nicht sehr euphorisch wenn’s ums Theater geht, zumindest sieht es danach aus, wenn nur die Hälfte der Plätze und davon wenige in den vorderen Reihen belegt sind. Gestern allerdings, gestern war alles anders. Denn gestern gab’s Harald Schmidt im Schauspielhaus. Schon von weitem sah ich dichtes Gedränge durch die Glasscheiben des Theaters und im Foyer wurden unter Angabe fadenscheiniger Gründe Karten an Suchende vertickt. Volles Haus. Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen. stand auf dem Plan.

“Wir befinden uns im Jahre 1977 n. Chr. Die ganze Bundesrepublik ist von RAF-Schlagzeilen besetzt… Die ganze Republik? Nein! Eine von unbeugsamen Theatermachern bevölkerte Spielstätte hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und das Leben ist herrlich leicht für dieses Ensemble, das als Band in den befestigten Lagern des Staatstheaters Stuttgart einen ELVIS-Liederabend spielt. Harald Schmidt war dabei – als Fan. Jetzt erinnert Schmidt gemeinsam mit unserem Ensemble an sein Stuttgart im Jahre 1977, wo man sich gut und gern auch ohne Debatten unterhielt.” Quelle: Staatstheater Stuttgart.

Ein kurzweiliger Abend, nicht zuletzt da die Aufführung auch tatsächlich nur knapp über eine Stunde ging. Schmidt gewohnt zynisch, das Publikum selbst bei mäßigen Witzen gnädig und der Jubel bei regionalen Anekdoten groß. Besonders amüsiert hat mich die schwyzerdütsche Einlage eines Ensemblemitglieds und eine Hitler-Baader-Szene, die keiner näheren Erläuterung bedarf. Schmidt schloß mit den Worten: “Die RAF hat zwar viel Böses getan, aber sie hat nicht versucht den Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde zu bringen.” Na dann!

Schmidt & Ensemble gibt’s noch drei mal zu sehen. Am 08., 14. und 21. Dezember um jeweils 20:00 Uhr. Die Karten kosten zwischen 8 und 21 Euro (Schüler und Studenten bekommen an der Abendkasse meist noch super Plätze für 7 Euro)

7 Kommentare »

  Henning wrote @ November 18th, 2007 at 19:19

Da sollte ich als Student doch gucken, einen von den super Plätzen für 7 EUR zu erwischen, auch wenn ich voraussichtlich leider nur an einem der drei Tage kann.

  Matthias wrote @ November 18th, 2007 at 21:47

Schmidt würde ich auch gerne mal live sehen. Auch wenn Stuttgart nicht weit weg ist, schaffe ich es nicht zu den o.a. Terminen, schade. Ein zynisches Theaterstück zur RAF sahen wir uns im Sommer im Mannheimer Nationaltheater an: Ulrike Maria Stuart. War recht unterhaltsam, allerdings bin ich nicht so fit im Thema RAF, weswegen ich viele Anspielungen nicht erkannte.

  Zuckerbäckerin wrote @ November 20th, 2007 at 06:53

Henning: Früh da sein, Zeit und nicht mehr als eine weitere Person mitbringen, dann klappt’s bestimmt. Und wenn nicht, Alternativprogramm ausdenken oder einfach nett was trinken gehen. So mach ich es immer :-)

Matthias: Ich habe mir diese Spielzeit auch viele Stücke zum Thema angesehen und schnell angefangen, dies und jenes zur RAF noch mal nachzulesen. Danach waren die Zusammenhänge (die im Theater ja auch oft nur angedeutet werden) viel besser zu verstehen.

  Matthias wrote @ November 23rd, 2007 at 10:36

Was ist los, liebe Zuckerbäckerin? Bist du im Arbeitskampf? ;)

  Zuckerbäckerin wrote @ November 23rd, 2007 at 12:38

Matthias: Hmmm? Ich befinde mich in präweihnachtlichem Stress ;-)

  David wrote @ November 23rd, 2007 at 23:13

Wenn die RAF versucht hätte den Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde zu bringen, wäre die CDU heute noch geschlossen dagegen.
Mein Vorschlag an reaktionäre Gruppen: Überlegt, zu welchen Schandtaten die Regierung in 30 Jahren fähig sein könnte und propagiert dann genau diese. Je mehr die Opposition vorschlägt, desdo weniger kann die Regierung versemmeln. Praktisch!

  Matthias wrote @ November 29th, 2007 at 23:23

Ich habe die letzten circa 45 Minuten gesehen. Tatsächlich seh unterhaltsam, wenn auch ungewöhnlich.

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