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Discusprolaps

An einem Dienstag vor 6 Wochen beschloß eine meiner Bandscheiben sich das Leben zu nehmen.

Ohne vorher mit jemandem über ihren Kummer gesprochen zu haben – von den angehörigen Bandscheiben der Lendenwirbel 1 bis 4 völlig unerwartet – stürzte sie sich an jenem Dienstag vom 5. Lendenwirbel direkt in den naheliegenden Nervenwurzelkanal und zog damit nicht nur sich, sondern auch die völlig unbeteiligte aber sich zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort befindliche obere Nervenwurzel in Mitleidenschaft.

Hysterie brauch aus, Nervenstränge drängten sich ängstlich in eine Ecke, einige fielen in Ohnmacht, als die gallertartige Masse, die nun aus der verendeten Bandscheibe hervorquoll, langsam aber stetig auf sie zufloss. “Oh Gott, wir werden alle sterben, wenn uns dies Teufelszeug berührt!” schrie einer der älteren Nerven, woraufhin die jüngeren, völlig panisch, Hilferufe entlang der Nervenbahnen aussandten. Doch zu spät: Die Bandscheibenflüssigkeit legte sich über sie und ertränkte sie in ihrer entzündlichen Masse.

Während sich also die Ereignisse im Bereich der Lendenwirbelsäule überschlugen, schlief der Rest meines Körpers noch tief und fest, denn es war mitten in der Nacht. Erst als um exakt viertel vor sechs der Wecker klingelte, drang das Eiltelegramm, der vergebliche Hilferuf des Nervenkanals, zu meinem Gehirn durch. Müde begann es die wichtigsten Funktionen zu booten, um sich dann, mehr beiläufig, dem Telegramm zu widmen. “Irre Bandscheibe versucht uns zu kill…” – weiter kam das Gehirn nicht, denn plötzlich funkte das Substanzielle Ich, der ewige Nebenbuhler, dazwischen: “Oh nee, Du hast mal wieder gar nix unter Kontrolle hier” polterte es und dann – an die angelsächsischen Organe gewandt – “Gentlemen, we have a situation here.”

Tja, und der Rest ist schnell erzählt. Das Substanzielle Ich rief meinen Körper zu Ordnung, zwang ihn noch zur Arbeit, um am spätnachmittag doch zu kapitulieren und – dem Druck einer Petition der übrigen Organe nachgebend – der Gabe zweier LMAA-Spritzen zuzustimmen, womit das Elend endgültig seinen Lauf nahm…

5 Kommentare »

  Eveline wrote @ Oktober 27th, 2007 at 11:00

So gut’s geschrieben ist – das klingt RICHTIG besch…..eiden…..

Gute Besserung!!!

… und schönes Wochenende!!
LG Eveline

  Matthias wrote @ Oktober 27th, 2007 at 22:41

Hui, das hört sich ja richtig besch… an!

Wie geht es dir denn jetzt?

  Zuckerbäckerin wrote @ Oktober 28th, 2007 at 09:04

Na ganz gut eigentlichtlich :-) Kann halt nicht länger als 2-3 Stunden am Tag schmerzfrei sitzen – da merkt man erstmal wieviel man im täglichen Leben so sitzt! Am meisten nervt mich aber, daß ich nicht arbeiten gehen kann…

  Tina wrote @ Oktober 28th, 2007 at 10:20

Oje… da hab ich direkt wieder vom Lesen Schmerzen bekommen. Vor ein paar Jahren (und dass ich sowas mit 29 sage…) hatte ich auch einen Bandscheibenvorfall. Mich hat er auf einer Party ereilt, 3 Tage vor meinem eigenen Geburtstag…
Ich konnte auch nur wenig sitzen oder liegen. Stufenlage mit einem Stuhl war prima, und in dieser Lage habe ich dann auch zahlreiche Stunden verbracht. Später hab ich dann Sitzen mit Keilkissen oder Sitzball versucht, war aber nicht wirklich so gut. Bis ich dann ein “Ballkissen” entdeckte, mit dem ich dann endlich wieder mehrere Stunden “durchsitzen” konnte.

Ich wünsche dir von Herzen gute Besserung!

  Zuckerbäckerin wrote @ Oktober 28th, 2007 at 22:17

Danke für Eure Genesungswünsche! :-)

Tina: Was ist das denn für ein Ballkissen? Hab ich noch nie gehört…

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