Als ich vor zwei Wochen mit dem Zug in den Frankfurter Bahnhof einfuhr und von mehreren rußfarbenen Türmen empfangen wurde, war ich erstaunt. Wie hässlich. Ich schüttelte leicht den Kopf und wandte mich wieder meiner Sitznachbarin zu. Hässlich, wiederholte ich – diesmal laut, zu ihr gewandt. Sehr, sagte sie mit kratziger Stimme. Dann schwiegen wir. Wir stiegen aus, gingen zielstrebig zum Ausgang und von dort zum nächsten Taxi. Als sie versuchte ein Gespräch mit der Fahrerin anzuzetteln und dabei ihren Älblerdialekt in schäbig klingendes Hochdeutsch tauschte, sagte ich nichts. Es war albern aber ich war zu müde für Konversation. Ich sah mich um und der schlechte Eindruck wurde nicht besser. Frankfurt ist hässlich. Zumindest auf dem Weg vom Bahnhof zur Deutschen Börse.
Als ich dann vor einigen Tagen schmerzgeplagt die Straße entlang zur Apotheke ging schlich, mußte ich erkennen, daß mein Viertel mit Frankfurt gut mithalten, es bisweilen sogar toppen konnte. Ein architektonisch reizloses Parkhaus, schäbige Häuserfronten, Prostituierte und eine Drogenberatungsstelle mit Methadonvergabe. Nicht mal die Kirche verströmte etwas, das in irgendeiner Weise mit Charme zu tun hatte. Ein umzäunter Kinderspielplatz, zwei Tankstellen und an der Ecke der Dönermann. Traurig.
Ich hatte genug Gelegenheit mir schlecht vorzukommen, denn zu einem waren da die Schmerzen und zum anderen brauchten die beiden Mittfünfziger-Damen aus der Apotheke gute zehn Minuten, um die richtigen Medikamente zu finden. Ich stützte mich auf den Tresen und wurde mir des Umstands gewahr, daß es nicht mehr viel benötigen würde mich in eine hysterisch kreischende Irre zu verwandeln. Grund genug hatte ich ja. Ich war ziemlich lädiert und meine Stadtteil-Wahrnehmung schien erheblich gestört. Als die Ältere meinte “Oh, das sind ja gar nicht die retard – da hätte ich jetzt fast einen bösen Fehler gemacht” kam es zum Eklat.
Später begriff ich, daß ich meine Wohngegend etwas wohlwollender betrachtete, als sie es vielleicht verdient hatte.